02/2026
Die Architektur der Geste und der Materie
Design made in Italy: eine generationsübergreifende Geschichte
Jede alltägliche Geste besitzt ihre eigene Architektur. Die Linie eines Hebels, der Querschnitt eines Auslaufs, das Verhältnis von Voll- und Leerflächen beeinflussen die Wahrnehmung des Raumes. Die Armatur tritt als Element in das Projekt ein, das mit Oberflächen, Volumen und Licht in Dialog steht und zum Gesamtgleichgewicht des Umfelds beiträgt. Design made in Italy entwickelt sich durch diese formale Aufmerksamkeit und schafft im Laufe der Zeit eine Kontinuität zwischen planerischem Gedächtnis und Innovation.
Die Methode: Zusammenarbeit als Grundlage
Seit den 1970er-Jahren basiert der Gestaltungsweg auf dem Dialog mit italienischen Architekten und Designern. Ritmo markiert den Beginn einer Forschungsarbeit, die mit Ambrogio Rossari ihre erste Definition findet: Zero, Tempra und Brava führen eine wesentliche und strukturierte Sprache ein, die der Form Ordnung und Wiedererkennbarkeit verleiht.
Die Zusammenarbeit wird zu einem integralen Bestandteil der Methode. Jedes Projekt fügt sich in eine gemeinsame Vision ein, in der Planungskultur und Fertigungskompetenz im Gleichgewicht voranschreiten und eine kohärente sowie progressive Identität nähren.
Die Entwicklung der Formensprache
Im Laufe der Jahre erweitert sich die Forschung und das Zeichen wird leichter. Mit Idea von Paolo Pedrizzetti und später mit Tolomeo, Delizia und Lucrezia von Paolo Bertarelli gewinnen die Proportionen an Leichtigkeit und das visuelle Gleichgewicht rückt in den Mittelpunkt. Cayen, entworfen von Enrico Gollo, führt eine Synthese aus Dynamik und geometrischer Strenge ein.
In den jüngeren Jahren eröffnet die Materialforschung eine neue Entwicklungsphase. Neben Messing, dem historischen Material der Armaturen, etabliert sich Edelstahl als zeitgemäße Gestaltungswahl, geschätzt für formale Strenge, Widerstandsfähigkeit und ästhetische Kohärenz. In diesem Kontext entsteht Borgia, die erste Serie aus Edelstahl 316L, entworfen von Bellucci und Mazzoni Progetti: eine Kollektion, die eine autoritative Präsenz im Raum festigt und eine wesentliche Sprache einführt, die mit der Reinheit des Materials verbunden ist. Pepe XL und XLS setzen diese Richtung fort, erweitern die Anwendungsmöglichkeiten im zeitgenössischen und Contract-Bereich und werten die Eigenschaften des Stahls in Kontexten mit hoher Nutzungsintensität auf.
Parallel dazu bringt Messing weiterhin seine zentrale Rolle im Projekt durch Kollektionen zum Ausdruck, die formale und chromatische Vielseitigkeit interpretieren. Narciso und Narciso S, entworfen von Paolo Bertarelli, repräsentieren diese Entwicklung: aus Messing gefertigt und in elf Oberflächen angeboten, erweitern sie die kompositorischen Möglichkeiten und bieten Planern eine große gestalterische Freiheit. Die Vielfalt der Oberflächen steht mit unterschiedlichen Kontexten im Dialog und bewahrt dabei Kohärenz von Linie und Proportion.
Mit Aline, entworfen von Marco Piva, erreicht die Linie eine international anerkannte formale Reife. Enea setzt diese Entwicklung mit einer ausgewogenen und vielseitigen Geometrie fort. Im Jahr 2025 führt Don Chisciotte von Bellucci und Mazzoni Progetti eine Neuinterpretation der klassischen Sprache in zeitgenössischem Schlüssel ein und erweitert den Dialog zwischen Erinnerung und Innovation.
Auszeichnungen im Armaturendesign: Compasso d’Oro, ADI, iF und Archiproducts Design Award
Im italienischen Design stellt die Anerkennung ein objektives Maß für die Gestaltungsqualität dar. Die Auswahl für den Compasso d’Oro für Tempra in den 1990er-Jahren markiert einen bedeutenden Meilenstein im Unternehmensweg.
Die Aufnahme in den ADI Design Index für Cayen und, in jüngerer Zeit, für Aline bestätigt die Kohärenz der formalen Forschung. Mit Aline folgen auch der iF Design Award und die Nominierung für den Compasso d’Oro, wodurch eine Positionierung auf internationaler Ebene gefestigt wird.
Hinzu kommt der Archiproducts Design Award 2024 für die Küchenspüle Borgia, entworfen von Bellucci und Mazzoni Progetti, der die internationale Anerkennung der formalen und materiellen Forschung weiter ausbaut.
Die Auszeichnungen bringen die Solidität einer Methode zum Ausdruck, die Ästhetik, Funktionalität und Beständigkeit im Laufe der Zeit integriert.
Von der Methode zum Ergebnis
Vom strukturierten Hebel der ersten Kollektionen bis zu den zeitgenössischen wesentlichen Geometrien spiegelt die stilistische Entwicklung die Veränderungen des Wohnens wider. Die Linien werden feiner, die Oberflächen treten mit immer klareren Architekturen in Dialog, die Materialien erweitern sich mit der Einführung von Edelstahl 316.
Jede Kollektion entsteht durch die Arbeit der internen technischen Abteilung, die das Projekt in allen Phasen begleitet und jede kreative Vision konkret umsetzt. Die ingenieurtechnische Kompetenz übersetzt die Idee in ein Produkt und gewährleistet Ausführungspräzision, Zuverlässigkeit und konstruktive Kohärenz.
Das Ergebnis ist eine geschichtete Identität, aufgebaut durch Kooperationen, Generationen und unterschiedliche Sprachen. Eine Vision, die Planungskultur und Produktionskompetenz vereint und Kontinuität sowie Kohärenz im Laufe der Zeit garantiert. Ein Design made in Italy, das in der gemeinsamen Planung sein Maß und in der konstruktiven Qualität seine Solidität findet.
